Goebbels' Musik zeichnet eine enorme klangsprachliche Vielfalt aus. Seine Komposition grenzt nicht aus, sie umarmt den Jazz, sie gibt der Elektronik (mitunter ironisch) Platz und zeigt sich bis zur Filmmusik-Hommage zitierfreudig.

Lars L. v.d. Gönna, Westdeutsche Allgemeine Zeitung

Goebbels ist ein Instinkt- und wirkungssicherer Kombinierer. Und so haben in diesem Musiktheater eben anarchistische Situationen [...] oder stille Momente [...] nebeneinander ungezwungen Platz.

Carl Harb, Salzburger Nachrichten

Tennisbälle werden auf die Schlagzeugdonnerwand geworfen. Ein Metallstift - vom Schnürboden heruntergelassen - streift sanft über die Saiten eines Kotos, dieser japanischen "Zither".

Heidemarie Klabacher, Der Standard

Auf der Bühne erklingt ein Mix aus klassischen, fernöstlichen, jazzigen, poppigen und Weltmusikklängen. Dazwischen sind Texte eingeschoben [...] vor allem vom verstorbenen Dramatiker Heiner Müller.

Andreas Schön, Schwarzwälder Bote

Eine phänomenale Vielseitigkeit legt das Ensemble Modern in ›Schwarz auf Weiß‹ an den Tag. Nicht nur, dass jeder virtuos sein eigenes Instrument beherrscht, beherzt greifen die Streicher auch mal zum Blech und die Bläser umgekehrt zur Geige.

nl, Die Rheinpfalz

Es ist ein eigenwilliges Szenario am Rande irgendeines Abgrundes. Seltsame Rituale scheinen den Überlebenden irgendeiner Katastrophe Halt zu geben. Es geht befremdlich, dennoch irgendwie heiter zu.

Heidemarie Klabacher, DrehPunktKultur

Und wenn zum Finale eine Sirenenkurbel wehmütig die japanische Koto-Zither bespielt - wen wundert es, dass Goebbels da auch noch den Preis zum Welttheatertag 2006 erhält.

Teresa Grenzmann, Münchner Merkur

Schwarz auf Weiß

Musiktheaterwerk von Heiner Goebbels

Der Frankfurter Komponist Heiner Goebbels schrieb dem Ensemble Modern sein Musiktheaterstück ›Schwarz auf Weiß‹ gewissermaßen auf den Leib. Das Kollektiv des Ensembles selbst ist der Protagonist. Die 18 Musiker agieren als Darsteller und Musiker zugleich und erobern so den Bühnenraum. Tennisbälle fliegen auf eine große Trommel, zarte Kotoklänge sind zu hören, ein Wasserkessel pfeift zu einer komplexen Flötenmelodie. Die Musiker spielen nicht nur ihr eigenes Instrument, sondern formieren sich zum Beispiel auch einmal zu einem Bläserensemble, das Assoziationen an eine italienische Banda weckt. Die Szenen und Ereignisse des Stückes gehen ununterbrochen ineinander über, und die Lichträume, die Jean Kalman kongenial dazu erschafft, ergeben eine eigene Dramaturgie. Dazu tritt die mehrmals wiederkehrende Stimme Heiner Müllers vom Band, der die Parabel ›Schatten‹ von Edgar Allan Poe liest.

Denn ›Schwarz auf Weiß‹ ist auch eine Reflexion über das Schreiben und den abwesenden Autor als Bild für ein kollektives Gedächtnis. Für Goebbels stellt sein Stück außerdem »eine Art Abschied von Heiner Müller« dar – allerdings voller Humor, Leichtigkeit und Charme.