Residenz bei der Shanghai New Music Week

Mark Andre, Rebecca Saunders, Thomas Adès

Seit 2008 vom Konservatorium Shanghai ausgerichtet, hat sich die Shanghai New Music Week in den letzten Jahren zu einem der führenden Festivals für zeitgenössische Musik in China entwickelt. Vom 14. bis 16. September 2019 wird sich das Ensemble Modern dort mit drei Porträtkonzerten, die herausragenden Persönlichkeiten der zeitgenössischen Musik gewidmet sind, erstmals präsentieren. Die chinesische Erstaufführung von Mark Andres Zyklus ›riss‹, den das Ensemble Modern auch jüngst auf CD eingespielt hat, eröffnet die Residenz. Andre begibt sich hier auf die Suche nach den kompositorischen Zwischenräumen: »Räume, die sich oft latent oder sehr zerbrechlich und atemlos zwischen den Polaritäten befinden«, so der Komponist. Auch die britische Komponistin Rebecca Saunders, diesjährige Preisträgerin des Ernst von Siemens Musikpreises, erkundet in ihrer Musik Übergänge zwischen Klang, Geräusch und Stille. Im zweiten Konzert – wie das erste von Michael Wendeberg dirigiert – bringt das Ensemble Modern das bereits 2018 bei der Ruhrtriennale und den Klangspuren Schwaz aufgeführte Porträt mit drei markanten Werken der Komponistin erstmals in China zu Gehör : ›a visible trace‹, das Kontrabass-Solo-Stück ›Fury II‹ (Kontrabass: Paul Cannon) und ›Skin‹ (Sopran: Donatienne Michel-Dansac). Den Abschluss bilden Stationen aus dem kammermusikalischen Schaffen von Saunders’ Landsmann Thomas Adès. In Werken wie dem Piano Quintet, das die klassische Sonatenform aufnimmt und zugleich durch Polyrhythmik, Tempo-Polyphonie und überraschende motivische Transformationen unterminiert, schafft Adès musikalische Welten, in denen scheinbar Vertrautes in neuem Licht erscheint.