Fotografien von Barbara Klemm

Porträtserie der Musikerinnen und Musiker des Ensemble Modern

Sehr gut erinnere ich mich an die erste bewusste Begegnung mit der Arbeit von Barbara Klemm, anlässlich einer Kabinettsausstellung im damals neuen MMK 1991.

Fast ‚en passant‘ hält sie präzise Momente unserer Existenz auf ihren Bildern fest – inszeniert ohne jegliche Inszenierung:

  • Die wohltuend autoleere Leipziger Altbaustraße mit Oma und Straßenlaterne
  • Die Batterie weißer Kirmesschwäne vor dunkeln Plattenbauten Eine verbotene Wagenwäsche am Offenbacher Mainufer
  • Schwatzende Deschurnaias in der Leningrader Eremitage
  • Rheingau-Weinbäuerinnen, zwischen Rebstöcken bei der Pause Radfahrer im Todesstreifen der gewesenen Zonengrenze
  • Ein schon fast Troika-schnelles Pferdegespann vor haltenden Ladas inmitten Kattowitz‘

Wir werden hier Zeugen unseres Seins auf beiden Seiten des Eisernen Vorhangs, von Barbara Klemm empathisch geführt: diese Vergangenheit hat in allen Bildern eine menschliche Wärme. Dazu kommt ihre Kunst, das Medium Schwarzweiß als stets wechselnde Farbigkeit des Bildinhaltes zu suggerieren/definieren: das warme Licht der Szenen in der Landschaft, gegenüber dem extremen, harten Schwarzweißkontrast bei Politikerbildern. Linda Reisch, ehemalige Frankfurter Kulturdezernentin und Freundin von Barbara Klemm und dem Ensemble Modern, regte diese einzigartige Portraitserie an, die nun vollständig vorliegt; wiederum eine spontane Momentabbildung von uns zwanzig Musikerindividuen, geeinigt und ›geadelt‹ im Barbara-Klemm-Stil: in seiner Homogenität ein geradezu ideales Gruppenbild.

Barbara Klemm, vielen Dank hierfür!
Ueli Wiget (Ensemble Modern)

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