Heiner Goebbels’ ›Schwarz auf Weiß‹

Japanische Erstaufführung beim Festival Kyoto Experiment

Heiner Goebbels schrieb dem Ensemble Modern sein Musiktheaterstück ›Schwarz auf Weiß‹ gewissermaßen auf den Leib. Das Kollektiv des Ensembles selbst ist der Protagonist. Die 18 Musiker agieren als Darsteller und Musiker zugleich und erobern so den Bühnenraum. Tennisbälle fliegen auf eine große Trommel, zarte Kotoklänge sind zu hören, ein Wasserkessel pfeift zu einer komplexen Flötenmelodie. Die Musiker spielen nicht nur ihr eigenes Instrument, sondern formieren sich zum Beispiel auch einmal zu einem Bläserensemble, das Assoziationen an eine italienische Banda weckt. Die Szenen und Ereignisse des Stückes gehen ununterbrochen ineinander über, und die Lichträume, die Jean Kalman kongenial dazu erschafft, ergeben eine eigene Dramaturgie. Dazu tritt die mehrmals wiederkehrende Stimme Heiner Müllers vom Band, der die Parabel ›Schatten‹ von Edgar Allan Poe liest. Heiner Goebbels: »Für mich ist ›Schwarz auf Weiß‹ und auch Poes ›Schatten‹ eine Parabel über das Schreiben, oder genauer über eine Form von Kunst, in der nicht nur eine Stimme zu Wort kommt – der Schriftsteller etwa –, sondern so etwas wie eine kollektive Stimme, ein kollektives Ich, Erfahrung, Erinnerung. Diese Art von Schreiben hat für mich Heiner Müller repräsentiert, weswegen ich immer wieder gerne mit seinen Texten gearbeitet habe.« ›Schwarz auf Weiß‹ wurde 1996 in Frankfurt am Main uraufgeführt und war weltweit in zahlreichen Aufführungen zu erleben, zuletzt in Jerusalem und Rom. Nun kommt das Werk am 27. und 28. Oktober 2017 als japanische Erstaufführung zum internationalen Festival Kyoto Experiment.