Porträt Tristan Murail

Happy New Ears

Tristan Murail, geboren 1947, gehört zu den einflussreichsten Gegenwarts-Komponisten aus Frankreich. Er war Schüler von Olivier Messiaen, 1971 gewann er den Rompreis. Beim anschließenden Aufenthalt in der Villa Massimo war vor allem die Begegnung mit Giacinto Scelsi wichtig für ihn. Ab den 1980er Jahren widmete sich Murail der Erforschung und dann auch Generierung des Klangs mit Hilfe des Computers. Zusammen mit Gérard Grisey und Hugues Dufourt gilt er als Repräsentant der ›musique spectrale‹, der es weniger um konstruktive Prinzipien (wie sie die serielle Musik vor allem der Nachkriegsjahre dominierten) als um die Hörerfahrung des Rezipienten als Ausgangspunkt des Komponierens geht. Das Spektrum des einzelnen Klangs wird in allen Facetten untersucht, auch mit den Mitteln der Elektronik; aus dieser Analyse entsteht die wiederum vom Klang her gedachte Musik. Durch seine Tätigkeit als Professor für Komposition am Pariser IRCAM (1991–1997) und an der New Yorker Columbia University (1997–2011) hat Tristan Murail viele jüngere Komponisten geprägt. Das Ensemble Modern widmet diesem eigenwilligen Kopf am 5. September 2017 in der Oper Frankfurt ein Porträtkonzert in der Reihe ›Happy New Ears‹ und gibt mit ›Mémoire/Erosion‹, ›L’Esprit des dunes‹ sowie ›Les Ruines circulaires‹ Einblick in das musikalische Schaffen Tristan Murails. Der Komponist wird sich den Fragen des Musikwissenschaftlers Lukas Haselböck stellen, der den Abend moderiert.