Geteilt - vereint Teil 3
Musik beiderseits der Mauer mit Steffen Schleiermacher und Nicolaus Richter de VroeDer dritte Teil der Reihe „Geteilt – vereint. Musik beiderseits der Mauer“ am 7. Oktober in der Oper Frankfurt (20 Uhr) setzt sich mit dem Zeitraum des Endes der DDR auseinander. Zur Aufführung kommen Werke dreier Komponisten, deren Begegnungen für das Ensemble Modern in der eigenen Historie besondere Marken darstellen: mit Reiner Bredemeyer 1981, Nicolaus Richter de Vroe 1985 und Steffen Schleiermacher unmittelbar nach dem Mauerfall. Die Moderatorin Heike Hoffmann spricht mit Nicolaus Richter de Vroe und Steffen Schleiermacher über den Beginn ihrer Musikerlaufbahnen als Geiger bzw. Pianist in den 1980er Jahren; als Komponisten wurden beide bei Friedrich Goldmann ausgebildet. Sie gehören einer Generation an, die unter den Bedingungen des »realen Sozialismus« aufgewachsen war und gelernt hatte, illusionslos und pragmatisch mit den inneren und äußeren Beschränkungen umzugehen und die Lücken im System gezielt für die Entwicklung der eigenen Kreativität auszunutzen. Dass die Überwachung durch die Stasi allgegenwärtig war und sich dennoch gerade die Künstler erhebliche Freiräume erobern konnten, ist ein schwer zu erklärendes Paradoxon, dem an diesem Abend nachzugehen ist. Einer, der in seinen jungen Jahren in einem wirklichen Sozialismus einen positiven Lebensentwurf gesehen hatte, war Reiner Bredemeyer. Enttäuscht von den restaurativen Tendenzen in der frühen Bundesrepublik war er in den 1950er Jahren nach Ostberlin übersiedelt, weil er hier Chancen für ein besseres Deutschland sah. Doch mit seiner Vorliebe für unbotmäßige Textvorlagen wurde er als Komponist mit Skepsis betrachtet und spielte im Musikleben jahrzehntelang fast nur als Theatermusiker eine Rolle. Im Zentrum des Konzerts steht die späte Uraufführung seines ›Nonett 89‹ aus seinem Nachlass.