›Offene Wunden‹
Zwei Songspiele an einem AbendDie Produktion ›Offene Wunden‹ des Ensemble Modern, die im Februar 2010 ihre Premiere beim Kurt Weill Fest Dessau feierte, wird nun im Bockenheimer Depot in Frankfurt zu erleben sein. Der Abend stellt zwei Songspiele einander gegenüber: das ›Mahagonny-Songspiel‹ (1927) von Kurt Weill und Bertolt Brecht und die Uraufführung der Neukomposition ›Die WUNDE Heine‹ (2008/09) von Helmut Oehring.
Helmut Oehring begibt sich mit seiner Auftragskomposition auf die Spuren von Weill und Brecht: In Dramaturgie, Textwahl, Besetzung, Arbeitsweise und Form knüpft ›Die WUNDE Heine‹ an das Vorbild aus den 1920er Jahre an. Oehring greift die originale Vokal- und Instrumentalbesetzung von Weills Werk auf und ergänzt sie aktuell durch Solo E-Gitarre und Stimme sowie elektronische Soundeffekte. Als Textgrundlage dienen Gedichte des für seine bissige Ironie bekannten Dichters Heinrich Heine, die von beklemmender Aktualität sind: Sie prognostizieren bereits 100 Jahre vor dem Entstehen des ›Mahagonny-Songspiel‹ »das Ende der Kunstperiode« und die Entstehung einer neuen Kunst. So wird der Zeitgeist der Weill’schen Musik unterstrichen und eine Brücke zur Gegenwart gebaut. Oehring versteht seine Komposition als eine Art »Antwortmusik«, als zeitgemäße Fortsetzung der Brecht/Weill’schen Songspiel-Idee.
Ein zweiteiliger Film von Hagen Klennert mit grafischen und realen Elementen ist Teil des Bühnenbildes und fungiert als visuelle Klammer zwischen den Songspielen.