30 Jahre Ensemble Modern
»Spielen, was auf den Tisch kommt« - Drei Jahrzente Ensemble Modern von Wolfgang Sandner»Spielen, was auf den Tisch kommt« -
Drei Jahrzente Ensemble Modern von Wolfgang Sandner
Neu aus Tradition: Für das Ensemble Modern liegt darin kein Widerspruch. Sie würden Tradition ja auch nicht mit Gewohnheit gleichsetzen, sondern mit Kontinuität. Seit dreißig Jahren existiert dieses Orchester, das sich etwas auf die Fahnen geschrieben hat, was Richard Wagner vor hundertfünfzig Jahren schon forderte, auch wenn er damit vor allem die Komponisten gemeint hat: »Kinder schafft Neues«. Das Ensemble Modern hat sich diesem Neuen verschrieben.
Aber das ist nicht das einzige, was die Musiker auszeichnet. Im Grunde haben sie noch ein paar andere Dinge anders gemacht als andere Ensembles. Im herkömmlichen Orchester gibt es Solisten, Stimmführer und Tuttisten, eine wegen der Größe etwa von Symphonieorchestern zwar sinnvolle, zugleich aber auch prekäre Aufteilung. Denn wer bei den Streichern an den hinteren Pulten sitzt und dasselbe spielt, wie der Konzertmeister am ersten Pult, nur nicht so auffällig, wird – bei allem Respekt – damit nicht unbedingt seine musikalischen Träume erfüllt sehen. Beim Ensemble Modern gibt es keine frustrierten Tuttisten. Alle sind Solisten oder können es von Zeit zu Zeit sein.
Und noch etwas: Normalerweise suchen sich Komponisten ein Ensemble, das ihre Werke spielen kann. Beim Ensemble Modern ist auch das oft umgekehrt. Hier suchen sich die Musiker einen Komponisten aus, dem sie zutrauen, ein Werk zu schaffen, das sie interessiert. So ist ein ganzes Kompendium von Auftragswerken für das Ensemble Modern entstanden. Und es versteht sich eigentlich von selbst, dass sich die Komponisten glücklich schätzen, wenn sie einen solchen Auftrag bekommen. Viele Ensembles weltweit gibt es ohnehin nicht, die spielen können, was auf den Tisch kommt.
Was haben diese Spezialisten für alles Vertrackte, Experimentelle, ja auch für alles Unspielbare nicht schon aus der Taufe gehoben: Klassisch Modernes von György Ligeti, Karlheinz Stockhausen und Mauricio Kagel, Kettensprengendes von Heiner Goebbels, Minimalistisches von Steve Reich, Umweltfreundliches von Bill Viola, Haifischgefährliches von Frank Zappa.
Das Ensemble Modern besteht aktuell aus neunzehn Solisten. Alle verstehen ihr Handwerk. Sowieso! Alle sind ausgezeichnete Musiker. Selbstverständlich! Sie verwalten sich selbst. Clever! Ihr Stammsitz ist Frankfurt am Main. Danke! Und alle sind unerschrocken. Hut ab!