Nur eine Stunde dauert dieses intensive Kammerspiel – und entführt doch in eine andere Welt.

Martin Grunenberg, Frankfurter Neue Presse

Es ist also nicht nur die opernübliche Konstellation zwischen musikalischer Leitung, Regie und Bühnenbild, die die Szene formt, es ist ein komplexes Archipel aus vielfachen Komponenten, das hier eine eigene Welt auf der Bühne schafft.

Hans-Jürgen Linke, Frankfurter Rundschau

Herrmanns Musik kann sehr viel. Kleinste Gesten werden variiert hintereinander geschaltet, schöpfen ihre ungeheure Energie ganz aus sich heraus.

Reinhard Brembeck, Süddeutsche Zeitung

Arnulf Herrmann hat für diesen gut einstündigen Psychotrip eine atemberaubende Musik geschrieben. Florentine Klepper macht aus der komplexen
Vorlage bestechendes Musiktheater.

Jörn Florian Fuchs, Deutschlandfunk

›Wasser‹ ist, man muss nicht lange drumherum reden, ein erstaunliches Meisterwerk der vielschichtigen Andeutung, der Vertiefung, Verflüssigung, des transparenten Verschwimmens in einem ganz und gar klaren Medium.

Hans-Jürgen Linke, Frankfurter Rundschau

Ein verwunschenes Hotel, ein leckes Aquarium, eine dezentrierte Schallplatte: das sind einige der Elemente, aus denen Arnulf Herrmann, Nico Bleutge und Florentine Klepper eine atmosphärische, filmnahe Studie über Identitätsverlust entstehen lassen.

Juan Martin Koch, nmz online

Höhepunkt der diesjährigen Biennale war jedoch ›Wasser‹ von Arnulf Herrmann.

Marco Frei, Die Welt

[D]en schlingernden Ton für eine groteske Tanzszene gibt ein Plattenspieler vor [...]. Diesen verwischt-nuschelnden Klang nimmt das Ensemble mit elegant-schrägem Spiel auf und variiert Herrmanns suggestive, überaus kantable Musik in immer neuen Variationen.

Gerd Döring, Darmstädter Echo

Unablässig generierte musikalische Unwuchten, das Gestalten unmerklicher Übergänge und der Wechsel zwischen routinierten Verläufen und hysterisch hochzuckenden Explosionen entfalten einen suggestiven Sog.

Benedikt Stegemann, Frankfurter Allgemeine Zeitung

Hartmut Keils musikalische Leitung ist souverän und kann sich auf ein spielendes und singendes Ensemble verlassen, wie man es nicht oft auf einer Bühne findet.

Hans-Jürgen Linke, Frankfurter Rundschau

Wasser

Arnulf Herrmanns Musiktheaterwerk auf ein Libretto von Nico Bleutge

›Wasser‹ lautet der Titel des ersten Musiktheaterwerks des in Berlin lebenden Komponisten Arnulf Herrmann auf ein Libretto von Nico Bleutge. Für die Inszenierung zeichnet Florentine Klepper verantwortlich.

Erzählt wird eine Geschichte, die fließend zwischen Erleben und Traum hin und her läuft: Ein Mann erwacht desorientiert in einem Hotelzimmer. Im Foyer des Hauses gerät er in eine Abendveranstaltung. Er glaubt, die Personen zu kennen, doch seine Erinnerung versagt. Alles ist merkwürdig verschoben und verrückt, selbst die Musik. Sie kommt von einer Schallplatte, die sich nicht um ihren Mittelpunkt dreht und deshalb »schwankende« Melodien liefert. Die Frau, die er zum Tanz bittet, glaubt er auch schon einmal gesehen zu haben, erkennt sie jedoch nicht. Ist es seine verstorbene Geliebte? Die beiden begegnen sich mehrmals, doch die entstehende Nähe wandelt sich in Distanz, die am Ende nicht mehr zu überbrücken ist. Alles was greifbar erscheint, zerfließt, das ganze Szenario versinkt.

Arnulf Herrmann vertonte kein fertiges Libretto, seine Musik und Nico Bleutges Dichtung - die Parallelen zum Mythos von Orpheus und Eurydike aufzeigt - entstanden in einem Prozess gegenseitiger Anregung. Jeder Szene gab der Komponist einen eigenen Klang, ein eigenes Text-Musik-Verhältnis, eigene Struktur und Form. Drei Szenen erscheinen mehrmals, doch nicht als Wiederholung, sondern in verschobener, dezentrierter Ähnlichkeit, gleichsam im Schwebezustand zwischen Identität und Differenz. Einige Szenen folgen musikalisch dem Prinzip des Rotierens, wie sie Gedankenbewegungen auf der Suche nach dem Erinnern auszeichnet. Andere entwickeln sich in eine bestimmte Richtung. Am Ende lösen sich Zusammenhang und Identität auf. Dafür steht die Metapher des Wassers, das vieles birgt, manches ahnen lässt, aber nichts preisgibt.