Zum Playback-Sound des Videos spielt das Ensemble Modern live Steve Reichs aus Sprachstrukturen generierte Musik - faszinierend, wie etwa die auf dem Screen wie Karaoke-Schriftzüge erscheinenden Zitate rhythmisch punktgenau harmonisiert und in Musik gesetzt werden.

Heinz Rögl, Salzburger Nachrichten

Mitglieder des Ensemble Modern [...] spielen unter Brad Lubman Reichs Monotonien so, daß ein fortwährender Happy-Duktus doch nie seinen tönenden Vexierbildcharakter verliert, zu dem auch das permanent changierende Verhältnis von Bild und Ton, Dokument und Ton gehört.

Gerhard R. Koch, Frankfurter Allgemeine Zeitung

Schlagzeilen wetteifern mit Schlagwerk, drei Tenöre klagen mit dissonanten Schrunden (hervorragend die ausführenden Synergy Vocals und das Ensemble Modern unter Bradley Lubman), rasante Video-Schnitte geben einen hämmernden, morsenden Rhythmus vor.

Wilhelm Triebold, Südwest Presse

Die ›Three Tales‹ , die nur 65 Minuten lang dauern, besitzen in den besten Momenten eine starke emotionale Kraft, eine Sogwirkung, für die Reich und Korot gleichermaßen verantwortlich sind.

Gert Korentschnig, Kurier

Three Tales

Eine dokumentarische Video-Oper von Steve Reich und Beryl Korot

›Three Tales‹ (1998-2002) ist die zweite Gemeinschaftsproduktion von Steve Reich (Musik) und Beryl Korot (Video) nach ›The Cave‹. Die dokumentarische Video-Oper schildet das 20. Jahrhundert als eine Zeit der technologischen Dominanz, ihrer Versprechen und Katastrophen. Die Akte tragen die Titel Hindenburg, Bikini und Dolly und beschreiben drei Ereignisse des Technologiezeitalters: Den Absturz des Zeppelins Hindenburg in Lakehurst 1937 nach der ersten Atlantiküberquerung, die Atombombentests auf dem Bikini-Atoll zwischen 1946 und 1954 sowie das erste Klonen des Schafes Dolly im Jahr 1997 in Schottland. Damit wird das Wachstum und die Auswirkungen der technologischen Entwicklungen des vergangenen Jahrhunderts anhand der Anfänge der Flugtechnik bis hin zur ethischen Diskussion über die Zukunft des Menschen thematisiert.

Die Video-Künstlerin Beryl Korot erzählt die drei Geschichten mittels Video-Montagen, Film- und Interview-Sequenzen. Während für die Gestaltung von Hindenburg und Bikini vornehmlich Archivmaterial (historisches Filmmaterial, Fotografien, Aufnahmen von Nachrichtensprechern etc.) verwendet wurde, besteht Dolly aus gefilmten Interviews. In der Vielfalt der Bilder auf der elektronisch mehrfach geteilten Leinwand spiegelt sich auch der technische Fortschritt. Es ist bezeichnend, dass auch Steve Reich in seiner Musik weitaus stärkeren Gebrauch von musiktechnologischen Entwicklungen macht als in seinen früheren Werken. Originalaufnahmen werden in die Komposition eingebunden, die durch Transponierungen und/oder rhythmische Anpassungen verändert werden. Neben der Technik des ›Slow Motion Sound‹ (Zeitlupenklang) führt Reich in Dolly auch den von ihm so genannten ›Freeze Frame Sound‹ (Standbildklang) ein. Nicht eine bloße Technologie-Kritik steht im Vordergrund, sondern das Aufzeigen der Ambivalenz der entsprechenden technologischen Entwicklungen.

Kölner Philharmonie Juni 2011
Kölner Philharmonie Juni 2011