Die Musiknummern (virtuos dirigiert von dem Franzosen Franck Ollu), die bewegten, raffiniert ausgeleuchteten Bilder (Bühne, Licht: Klaus Grünberg), sie reihen, jagen sich, es sind festgehaltene, vom Komponisten und Regisseur Goebbels minutiös gearbeitete und einstudierte »Improvisationsprozesse« [...].

Wolfgang Schreiber, Süddeutsche Zeitung

Dabei verlangt Goebbels Partitur Immenses von ihren Interpreten [...]: Mal sind's den Erzählstrom interpunktierende Signale, mal gibt die Musik den szenischen Situationen ihr Klima, ihre prägende Atmosphäre, mal kommentiert sie. Changierend zwischen den Traditionen von Okzident und Orient ist sie reich an Farben und sinnstiftenden Gesten.

Dietrich Steinbeck, RadioKultur (SFB/ORB) "Galerie des Theaters"

Da werden die Musiker zu Sängern, Tänzern, Trommlern. Kämpfern, Schauspielern und überhaupt - Protagonisten der Bühne. Die übliche Trennung zwischen Chor, Orchester und Schauspielern scheint aufgehoben.

bud., Frankfurter Allgemeine Zeitung

[D]as alles ist wunderschön und sinnlich beeindruckend wie eh und je. Gleichzeitig ist ›Landschaft mit entfernten Verwandten‹ intellektueller als alle Werke zuvor.

Christine Hohmeyer, Neue Musikzeitung

Das Ensemble Modern spielt unter Franck Ollu mit ebenso viel Hingabe wie Perfektion, um die Musik glänzend in »seine« Szene einzubinden.

Rudolf Jöckle, Frankfurter Neue Presse

Für die Musiker des Ensemble Modern indes geriet die deutsche Erstaufführung zum Triumph: Was die alles wagen und können, ist fabelhaft. Tanzen, singen, sprechen, fremde Instrumente bedienen. [...]

Christine Lemke-Matwey, Der Tagesspiegel

Und im Neben-, Mit- und Ineinander, in der Offenheit des Ensembles zeigt Goebbels, dass die Oper auch im 2l. Jahrhundert nicht tot ist, sondern lebt. Man muss nur die ihr innewohnenden Chancen begreifen.

Tim Gorbauch, Frankfurter Rundschau

Mehr noch als bisher erklärt der Komponist Goebbels seine Musiker zu Mitspielern. Er holt sie auf die Bühne, wo sie mit Strumpfmasken musizieren, als wollten sie die nächste Bank ausrauben.

Clemens Prokop, Financial Times Deutschland

Landschaft mit entfernten Verwandten

Musiktheaterwerk von Heiner Goebbels

Der Titel erinnert an Gemälde alter Meister wie Nicholas Poussin, die nicht um eine zentrale Perspektive herum angeordnet sind und es somit dem Betrachter ermöglichen, seine eigene Sichtweise zu wählen. Diesem Prinzip gehorchend, entwickelt Heiner Goebbels in seiner Oper keine lineare Geschichte, sondern schafft ständig wechselnde Bilder mit aus verschiedenen Kulturen und Epochen stammenden Personengruppen. Das Libretto dieser Oper für einen Bariton, einen Schauspieler, 8 Chorsolisten und 18 Instrumentalmusiker besteht aus Texten, Erzählungen, Abhandlungen und Gedichten von Leonardo da Vinci, Giordano Bruno, Francois Fénelon, Gertrude Stein, Henri Michaux, T.S. Eliot, Michael Foucault u.a.. Die Musiker des Ensemble Modern bleiben dabei nicht im Orchestergraben, sondern sind zusammen mit den Sängern die sich ständig wandelnden Darsteller dieser bilderreichen Oper.

›Landschaft mit entfernten Verwandten‹ entspricht, nach eigenen Worten des Komponisten, einem musikalisch-literarischen Rundgang durch ein Museum, bei dem immer wieder verstörende, berührende Bilder lebendig werden: Barocke Gesellschaften, tanzende Derwische, brennende Städte und abgehalfterte Cowboys.

Im Jahr 2002 uraufgeführt, hat das Werk während seiner zahlreichen Aufführungen ständige Weiterentwicklungen erlebt, die zuletzt nach den Stadien eines Radio-Hörstücks und einer konzertanten Bearbeitung unter dem Titel ›Bildbeschreibungen zu einer Fassung auf CD‹ geführt haben, die 2007 bei ECM in München erschienen ist. Diesen Prozess setzte das Ensemble Modern gemeinsam mit Heiner Goebbels fort und erarbeitete 2010 eine neue ›Frankfurter Fassung‹, die die Instrumentalisten noch stärker auf der Bühne integriert, die Szenografie von Klaus Grünberg und die Kostüme von Florence von Gerkan beibehält, jedoch ein intimeres Format besitzt, ohne dabei auf die Tiefenschärfe der Szenen zu verzichten. Die Frankfurter Fassung wurde 2013 im Bockenheimer Depot erstaufgeführt.

Landschaft mit entfernten Verwandten Uraufführung
Landschaft mit entfernten Verwandten Uraufführung