Es ist wie an einem verrückten Erlebnistag – und am Ende spielen sie Monteverdi.
Die Ausstellung unter dem Titel ›Haben Sie 'Modern' gesagt?‹ zeigt nicht etwa Fotos und Aufnahmen aus den 37 Jahren des Bestehens dieses Ensembles [...]. Nein, die Musiker des Ensemble Modern werden ausgestellt.

Egbert Tholl, Süddeutsche Zeitung

Haben Sie 'Modern' gesagt?

Ausstellung

Das 2016 gegründete Issho Ni Ensemble hat für die Frankfurter Positionen 2017 eine Ausstellung entworfen, die dezidiert den Namen des Ensemble Modern aufgreift. Das Projekt ›Haben Sie 'Modern' gesagt?‹, zeigt eine andere Möglichkeit, die Arbeit des Ensemble Modern zu präsentieren. Nicht in Form eines Konzerts, nicht szenisch, illustrativ oder als musikalische Performance. Xavier Le Roy, Tiziano Manca and Christophe Wavelet machen eine Ausstellung, in der das Ensemble Modern und alle seine Mitglieder und Mitarbeiter die Ausstellungssubjekte sind.

Den drei Künstlern geht es um das Kollektiv Ensemble Modern selbst, den Organismus, die Arbeitseinheit. Die Struktur, die Finanzen, die Logistik. Die Ausstellungsbesucher werden eingeladen, hineinzuschauen in dieses Gebilde, wo Musik, Instrumente, Werke, Technik, Organisation, vor allem aber wo Menschen täglich im Zusammenspiel sind.

Beleuchtet werden soll auch das "Moderne", das sich das Ensemble bei seiner Gründung 1980 auf die Fahnen und in den Namen geschrieben hat. Haben Sie „Modern“ nur gesagt? Was bedeutet „Ensemble“, was versteht man im Haus in der Schwedlerstraße darunter? Wie kann man Arbeiten von Experimentieren unterscheiden, und wie kann einer, der hochspezialisiert ist an seinem Instrument, überhaupt noch in Experimenten denken?

Im Laufe der Entstehung des Projekts wurde jede einzelne Ensemble-Modern-Musiker ausführlich befragt. Auch Mitarbeiter des Ensembles, die kein Musikinstrument bedienen wurden mit einem Fragebogen bedacht, so auch der Manager und Geschäftsführer des Ensemble Modern.

Das Issho Ni Ensemble über ›Haben Sie 'Modern' gesagt?‹

Schon der Name „Ensemble Modern“ erinnert uns ausdrücklich an die historische Gleichzeitigkeit von sich formierenden Musikensembles und das Projekt der Moderne in der Musik. Abgeleitet aus dem im 19. Jahrhundert etablierten Modell des Sinfonieorchesters, finden moderne Musikensembles ihre wesensmäßige Bestimmung im Konzert – als der am besten geeigneten öffentlichen Form musikalischen Erlebens. Während das Orchester für gewöhnlich die Aufteilung zwischen soli und tutti mit sich bringt, ist das Ensemble darauf ausgerichtet, eine solche traditionelle Rangordnung aufzulösen. Gleichwohl folgt es in seiner Instrumentenwahl dem Beispiel des Orchesters und wahrt die Voraussetzung musikalischer Virtuosität, wie sie der Rolle von Orchestersolisten eingeschrieben ist.

Obschon das Konzert seit dem 20. Jahrhundert immer wieder von diversen Künstler infrage gestellt wurde, ist es das gängige Format für die öffentliche Darbietung und Wahrnehmung von Musik geblieben. Haben sie „Modern“ gesagt? erkundet die verschiedenen Möglichkeiten, die eine andere Form der künstlerischen Präsentation eröffnet: die der Ausstellung. Was das Projekt vorstellen möchte, ist nicht nur Musik, sondern das Ensemble Modern selbst. Die Besucher sind daher eingeladen, verschiedene Situationen zu erleben, in denen die menschlichen, instrumentalen und technischen Aspekte, die den Lebensalltag eines heutigen Musikensembles unumgänglich prägen, zusammengeführt und neu aktiviert werden. Es wird sich unter anderem mit folgenden Fragestellungen beschäftigen: Was ist „Modern“ im Leben des Ensemble Modern? Was bedeutet „Ensemble“ im Hinblick auf dessen Arbeitsaktivitäten? Welche spezifischen Praktiken implizieren diese Begriffe? Wie lassen sich berufliche Spezialisierung und künstlerisches Experiment vereinbaren? Ist eine Aufführung Mittel oder Zweck? Wann strebt das Kunstschaffen mehr nach Befreiung als nach Gewinn? Wie können künstlerische Gesten öffentliche Stätten der Erfahrung bleiben? Wie können sie die Thematisierung und Diskussion gemeinsamer Fragestellungen ermöglichen?