Aber vielleicht ging es Bernstein gerade darum: dort noch hineinzutönen, und sei es gebrochen und dissonant, wo die Resonanzen taub sind und das Hören aufgegeben wrude.

Peter Ueling, Berliner Zeitung

Doch es steckt eine gute Dosis Bernstein'sches Gegengift in ›A Quiet Place‹: eine unbändige Sehnsucht nach Liebe, die Panzer aufbrechen lässt und [...] den Weg in den Garten öffnet, zu Trauer und Vergebung.

Ulrich Amling, Der Tagesspiegel

A Quiet Place

Oper von Leonard Bernstein in Neufassung für Kammerensemble

›A Quiet Place‹ ist Leonard Bernsteins letztes Musiktheaterwerk. Als Einakter und Fortsetzung von ›Trouble in Tahiti‹ (1951) konzipiert, wurde es zusammen mit diesem Werk als Doppelvorstellung 1983 in Houston/Texas uraufgeführt. Die Musik, die voller komplexer Brüche und Anspielungen steckt, und das Libretto von Stephen Wadsworth, in dem Themen wie Selbstmord, Homosexualität, Entfremdung und geistige Verwirrung im Mittelpunkt stehen, machten ›A Quiet Place‹ damals zu einem schwer zu bewältigenden Werk für das Publikum, vor allem im Vergleich zum leichtgewichtigeren Vorgänger: ›Trouble in Tahiti‹. beschreibt satirisch den Ehealltag in einer amerikanischen Vorstadt-Siedlung der 1950er Jahre. Palisadenzaun, Küchenmaschinen und adrette Kleidung können nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Ehepaar Dinah und Sam sich nichts mehr zu sagen haben. ›A Quiet Place‹ spielt 30 Jahre später: Die Familie trifft am Grab von Dinah, die bei einem Autounfall ums Leben gekommen ist, zusammen. Die erwachsenen Kinder von Sam und Dinah sind dem Vater entfremdet. Die Trauer, alte und neue Verletzungen sowie die Unfähigkeit, mit dem eigenen Leben fertigzuwerden, ballen sich zu einem häuslichen Unwetter zusammen.

Nicht nur die kontroversen Besprechungen der Uraufführung, auch die eigene Unzufriedenheit von Bernstein und Wadsworth trugen zu dem Entschluss bei, die beiden Opern-Einakter zu einem abendfüllenden dreiaktigen Werk umzuarbeiten. ›Trouble in Tahiti‹ wurde dabei in Rückblenden in ›A Quiet Place‹ integriert. Diese revidierte Fassung wurde 1984 in Mailand aufgeführt und erschien 1986 bei der Deutschen Grammophon. Aber auch diese Fassung verschwand – bis auf wenige Ausnahmen – von den Opernbühnen, was angesichts der Popularität Bernstein verwunderlich scheinen mag.

Doch auch für Bernstein selbst war die dreiaktige Fassung letztendlich nur eine Kompromisslösung, wie er sich gegenüber Kent Nagano äußerte. Dieser hat gemeinsam mit dem Leonard Bernstein Office (Varth Edwin Sunderland) eine Neufassung von ›A Quiet Place‹ für Kammerensemble erarbeitet. Die Besetzung für großes Orchester, Synthesizer und E-Gitarre wird auf Ensemblegröße reduziert, die Personenzahl für die konzertante Aufführung insgesamt verringert, die Handlung gestrafft und die formale Struktur der Oper vereinfacht, indem die Rückblenden zu ›Trouble in Tahiti‹ entfallen. DIe Uraufführung der Neufassung fand unter Leitung von Kent Nagano im Konzerthaus Berlin statt.

Making of A Quiet Place bei den Dresdner Musikfestspielen 2015
Leonard Bernstein