Wachstum

Vom Solistenensemble zum sinfonischen Apparat

1974 beginnt der französische Komponist Gérard Grisey (1946–98) mit der Arbeit am beeindruckenden abendfüllenden Zyklus ›Les espaces acoustiques‹. Die Besetzungsdramaturgie: vom Einzelnen (eine Bratsche) über Septett, über großes Ensemble, über Kammerorchester hin zum sinfonischen Orchester. Im gleichen Jahr, ob Zufall oder nicht, gründet sich als Studierendenorchester die Junge Deutsche Philharmonie, aus der 1980 das Ensemble Modern hervorgeht. Symbolhaft korrespondieren Griseys akustische Räume mit den sonoren Volumina des Ensemble Modern, das je nach Maßgabe der aufzuführenden Werke als Solist*innenkollektiv, als kleinere, mittlere oder größere Formation und – seit 1998 – auch als sinfonischer Komplettklangkörper agiert: als Ensemble Modern Orchestra. 1985 beschließt Gérard Grisey den Zyklus mit dem sechsten und finalen Teil ›Épilogue‹ für vier Hörner und großes Orchester. Im gleichen Jahr übrigens, ob Zufall oder nicht, lässt sich das Ensemble Modern dauerhaft in Frankfurt am Main nieder. Im Frühjahr 2020 gastiert das Ensemble Modern mit dem nur selten vollständig aufgeführten Zyklus in der Berliner und in der Kölner Philharmonie sowie in der Elbphilharmonie Hamburg. Zusammen mit der Jungen Deutschen Philharmonie – gewissermaßen dem Mutterensemble – und dem Dirigenten Sylvain Cambreling, dem früheren Generalmusikdirektor der Oper Frankfurt.

Sylvain Cambreling
Junge Deutsche Philharmonie