Multitasking

Instrumentalist*innen im Rampenlicht

Es steht geschrieben, schwarz auf weiß, Musiker*innen zeitgenössischer Kunstklangproduktionen müssen ihre Instrumente unglaublich virtuos und vielseitig beherrschen. Neue Spieltechniken überall. Und nicht nur das. Musik heute verlangt von ihren Instrumentalakteur*innen auch das notationsgeregelte Beherrschen von Alltagsgegenständen, den Einsatz der Stimme, ob sprechend oder singend, und zusätzliche Körpertechniken: Pantomime, Schauspiel, mithin Sport und Akrobatik. Das Musiktheater ›Schwarz auf Weiß‹ entwickelt der Komponist und Regisseur Heiner Goebbels (*1952) 1995/96 speziell für das Ensemble Modern. In mehrmonatigen Proben erarbeitet er mit den Mitgliedern Hör- und Aktionsszenen, lässt sie spielen: mit Vertrautem, mit Unbekanntem, mit sich selbst, mit Haut und Haar, miteinander. Das Resultat: eine der erfolgreichsten Produktionen des Ensemble Modern, über siebzig Aufführungen weltweit. Zudem ein Meilenstein des zeitgenössischen Musiktheaters. Während der Proben stirbt Heiner Müller, und Goebbels integriert einen markanten O-Ton des geschätzten Schriftstellers. Es ist nicht der einzige Fremdklang in diesem subtilen Gewebe aus Musik, Licht, Text und Aktion. »Thematisch«, so Goebbels, »ist ›Schwarz auf Weiß‹ für mich eine Art Abschied von Heiner Müller. Aber es ist kein Abschied in Form eines wehmütigen Requiems. Es gibt in dem Stück durchaus Leichtigkeit und Humor. Und da ist auch eine Balance zwischen dem Charme eines Live-Ereignisses und der Reflexion. So etwas geht nur mit hervorragenden Musikern wie denen des Ensemble Modern, die nicht nur ihre eigentliche Profession ausüben, sondern szenisch agieren, sprechen, singen etc.«

Schwarz auf Weiß