Eins plus alle

Ein Ensemble aus Solist*innen

Arnold Schönberg ahnte es schon 1906, als er seine 1. Kammersinfonie op. 9 schrieb: Das Wesen der zukünftigen Musik liegt entscheidend in den solistischen Fähigkeiten der Musiker*innen, den individuellen und den kollektiven. Kein Zufall, dass das Ensemble Modern das Schönberg-Stück 1980 bei seinen Gründungskonzerten in Köln und Frankfurt am Main aufführt. Opus 9 erweist sich als Schlüsselwerk für die Ensemblepräsenz in der Neuen Musik, sodass der Dirigent und Komponist Enno Poppe (*1969) einmal im Gespräch mit dem Ensemble Modern sagt: »Das Ensemblestück ist die Sinfonie des ausgehenden 20. Jahrhunderts. Ausgehend von Schönbergs op. 9 hat sich eine emphatische Gattungstradition entwickelt – nicht zuletzt durch die immer besser werdenden Spezialensembles –, an der kaum ein Komponist vorbeischauen kann und will.« Und das Ensemble Modern schaut seinerseits nicht an den Komponist*innen vorbei; es arbeitet mit ihnen oft bereits während des Entstehungsprozesses und soweit möglich bei der Aneignung ihrer Partituren intensiv zusammen. So ist in den vier Jahrzehnten aus dem Umgang mit den verschiedenen Positionen heutiger Musik ein immenser Erfahrungsschatz entstanden. Und eine unverwechselbare authentische Aufführungskultur, in der sich die solistischen Qualitäten der Musiker*innen ebenso manifestieren wie das demokratische Zusammenspiel des Kollektivs.

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