01.12.2000, Offenbach-Post
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Fantasie ohne Verfallsdatum
Mit dem US-Rockstar Frank Zappa (1940-1993), berühmtester Klohocker seiner Zeit, hatte das Frankfurter Ensemble Modern anfangs der 90er Jahre des 20. Jahrhunderts intensive Probenphasen in den Staaten erlebt. Die wechselseitige Sympathie schlug sich damals, kurz vor dem Tod des schwer kranken Musikers, in einer gemeinsamen Tournee nieder, bei der Zappas rockige Fantasie, sein Aufspießen theatralischer Neutöner-Gesten begeisterte. Jetzt feiern die weltweit geschätzten Spezialisten aktueller Musik ihr 20-jähriges Bestehen. Und da schwebt auch Zappa über vielen Wassern.
Locker ist der Einzug der Gladiatoren. Mit swingenden Rhythmen und pointierten Big Band-Riffs tänzeln sie auf die Bühne der Alten Oper Frankfurt, Keyboarder, Pianisten, Streicher, Holzbläser, sattes Blech, eine viel beschäftigte Harfenistin und ein Großaufgebot an Schlagwerkern. Dirigent Peter Eötvös kanalisiert die muntere Improvisation in den ersten Titel von "Greggery Peccary & Other Persuasions", so der auf Zappas unbändigen Sprachwitz zielende Titel des Konzerts. [...]
Die unbändige anarchische Lust, schon Kennzeichen seiner "Mothers Of Invention" hebt Zappa aus dem Gros der altmodischen Neutöner, die oft mehr Ideen beim philosophischen Überbau als bei ihrer Musik entwickeln. Sein orchestraler Extrakt hat es in sich, wie er auch das Blablabla so mancher progressiven Kompositionstechnik gnadenlos an den Pranger stellt. Ob nun in "The Beltway Bandits", "Envelopes" oder in "A Pig With Wings" - ein Schwein mit Flügeln, das in schier meditative Klangwelten abhebt...
Beim hoch motivierten Ensemble Modern wird aus jedem Stück ein fesselnder Klangfilm für Auge und Ohr, perfekt und kongenial durcharrangiert von Zappas "Alter Ego" Ali N. Askin. Manchmal mündet es in ein Inferno, manchmal hat Mickey Mouse das Sagen, wenn Zappas manische Klangpassagen noch mit zwei Sprechstimmen komödiantisch aufgegagt werden. Omar Ebrahim und David Moss sind zwei Stimmbandakrobaten, die dem "Schweinchen-Kreativdirektor" Greggery Peccary Beine machen und akribisch den guten Ton exekutieren.
Nach rockigen und jazzigen Passagen gibt's dann auch mal einen finalen Schnarcher. Vielleicht von Frank Zappa auf Wolke sieben. Spontane Erkenntnis: Seine Musik ist auch im 21. Jahrhundert ohne Verfallsdatum.
(Klaus Ackermann)
01.12.2000, Frankfurter Neue Presse
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Heiße Rhythmen unter einer Blutorangen-Sonne
Das Ensemble Modern feierte in der Frankfurter Alten Oper seinen 20. und Frank Zappas 60. Geburtstag mit wieder entdeckter und neu arrangierter Musik
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Schnell herrscht im Großen Saal der Alten Oper Session-Stimmung und in der Musik so etwas wie "Multi-Kulti" der Instrumente und Stile: Geschärfte Elektronik steht neben weichem Zigeunerklang oder Breitwand-Sound, hämmernde Präzision neben Fernöstlichem, polyfoner Streichersatz neben schummrigem Bar-Tonfall. Dies formiert sich zu einer gewaltigen Ouvertüre, die auch beweist, wie viel orchestrale Feinheiten im scheinbar disparaten Weltmusik-Material Zappas stecken.
Der Abend ist die Fortsetzung einer äußerst fruchtbaren Zusammenarbeit. Die Musiker nützten ihre Chance, völlig neue Methoden im Erarbeiten von Kompositionen kennen zu lernen und ihre Klangvorstellungen zu erweitern. Das führte 1992 in der Alten Oper zu "Yellow Shark" und im Jahr darauf, in dem Zappa starb, noch einmal zu einer Arbeitsphase, aus der manches von dem Material stammt, das für dieses Konzert arrangiert worden ist (vorzüglich Ali N. Askin).
Wie animierend diese Zusammenarbeit gewesen sein muss, darauf wirft schon "The Dangerous Kitchen" ein Schlaglicht: Wer hätte gedacht, dass der Pianist Hermann Kretzschmar irgendwann einmal so unverwechselbar sprechsingt?
Aus dem Album "Jazz from Hell" stammt ursprünglich "The Beltway Bandits", eine gassenhauerische, rhythmisch mitreißende Musik, gelegentlich im quälenden Sound von Ölfässern, die man zum Klingen gebracht hat. "Pig with Wings", satirisch gemeint wie vieles, was Zappa dachte und schuf, nimmt sich in den feinen Klangfarben der Saiteninstrumente allerdings gemäßigt aus. Peter Eötvös, Dirigent und Motor des Ensembles Modern und selber am ganzen Zappa-Projekt beteiligt, wirkt bei allen diesen Gelegenheiten präzise und anfeuernd, weil selber hochgestimmt.
Zwei virtuose Comic-Stimmen haben eine andere Seite aus Zappas Schaffen zum Klingen gebracht: Omar Ebrahim und David Moss. In "The Adventures of Greggery Peccary" schaffen sie einen "Film für die Ohren" nach, in dem kakophonisch wieder alle möglichen Stile und Anspielungen zusammenkommen. Man glaubt sogar die drei Neffen Donald Ducks gehört zu haben. Zuvor hat "Put a Motor in Yourself" heiße Rhythmen und kalte Brutalität zusammengeballt und "The Black Page" nach dem Massiv der fünf Schlagzeuge den großen Orchesterklang zur Spannungslösung angeboten.
Die Sache konnte nur mit einem gewaltigen Schlag auf den großen Gong enden. Der hing wie eine Blutorangen-Sonne im Mittelpunkt der Bühne. Der Saal tobte.
(Gabriele Nicol)
01.12.2000, Frankfurter Runschau
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Schweinsgalopp durch die Musik
Ensemble Modern mit "Greggery Peccary" in der Alten Oper
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Das Geburtstagskonzert des Ensemble Modern in der Alten Oper, das seinem zweiten Frank-Zappa-Projekt Greggery Peccary & Other Persuasions gewidmet war, begnügt sich nicht mit Fragen, sondern setzt Antworten in die Welt: So klingt Musik, die durch die Höllen des Trivialen, des Junk Food, des Show-Business und der Musik des 20. Jahrhunderts gegangen ist, die ihr Heil nicht in Abgrenzungen, sondern in distanzierter, satirischer Empathie gefunden und sich dabei nicht verloren hat. Daran beteiligt sind außer Zappa selig und dem Ensemble der famose Arrangeur Ali N. Askin, der Boulez-Schüler Peter Eötvös als Dirigent sowie die Vokalsolisten David Moss und Omar Ebrahim.
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So etwas wie bei diesem denkwürdigen Geburtstagskonzert des Ensemble Modern war jedenfalls in der Alten Oper bisher nicht zu hören, auch nicht bei der Aufführung des "Yellow Shark"-Projekts 1992. Noch nie gab es hier einen Klangkörper, der die bipolare Zappa'sche Rock- und Kammermusik-Idiomatik so nahtlos und souverän zu integrieren und mit der notorischen Gesamtkunstwerk-Ambition zu vermitteln verstand wie das Ensemble Modern des Jahres 2000. Noch nie wurde hier Musik gespielt, deren kompositorische Zielsetzung so klar und bedenkenlos über Gesichertes hinaus geht und neue Grenzen definiert, wo Andere immer noch mit dem Grenzüberschreiten beschäftigt sind.
Äußerst selten findet sich auch ein so divergierend zusammengesetztes Publikum aus disziplinierten, schwarz gekleideten Neue-Musik-Hörern und malerischen Zappa-Fans, die erkennbare Schwierigkeiten mit dem Stillsitzen haben, es aber aus purer Musikbegeisterung doch tun. Und das Allerbeste: beide Publikumssegmente standen am Ende einhellig pfeifend, rufend und klatschend im Saal, wollten das Ensemble nicht von der Bühne lassen und freuten sich am theatralischen Schlussgong, mit dem der G-Spot Tornado seinen angemessenen Höhepunkt erreichte.
(Hans-Jürgen Linke)
11/2000, Neue Musikzeitung
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Ensemble Zappa Modern
Masken und Grimassen im American Way of Life nahm Frank Zappa bevorzugt ins Visier seiner Spottlust. Nicht nur seine Worte waren oft überdeutlich, auch seine Musik trieft(e) vor Satire. Mag sein, dass in der "Klassik"-Szene deshalb die Nase gerümpft wurde. Das Ensemble Modern (EM) hat's nicht gekümmert und so, als erstes Orchester überhaupt, Zappa-Kompositionen ("The Yellow Shark" 1993) lukrativ vermarkten können. Die enge Zusammenarbeit mit Zappa selbst hat dem EM gewisse Privilegien im Zugriff auf das Material in seinen Archiven gebracht. "Greggery Peccary & Other Persuasions" heißt das Programm, das im Juni 2000 im E-Werk Köln Weltpremiere hatte und mit dem das EM nach Auftritten in Bologna und Berlin am 29. November noch einmal in Frankfurt zu hören sein wird. Alle imaginären Fäden dieses Programms führen zu einer Hauptperson, zum Dirigenten Peter Eötvös. Er war noch zu Zappas Lebzeiten an der Vorbereitung dieses Programms beteiligt, und sein ehrlicher Respekt vor dem Komponisten, seine Ruhe und überlegene Gestik selbst bei oft halsbrecherischer Polyrhythmik steigert die Ansprüche dieses Projekts in Dimensionen, die wohl kaum von einem anderen Orchester so schnell erreicht werden.
(Hans-Dieter Grünefeld)
12.09.2000, Westdeutsche Allgemeine Zeitung
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Ein Feuerwerk der Avantgarde
Ensemble Modern spielte Zappa
Das Ensemble Modern zündete im Duisburger Landschaftspark mit Kompositionen von Frank Zappa ein Feuerwerk der Avantgarde.
In der Reihe "Musik im Industrieraum" dirigierte Jonathan Stockhammer das Frankfurter Orchester, das 1992 kurz vor dem Tode Zappas mit diesem die legendäre Aufnahme "The Yellow Shark" einspielte.
Für das aktuelle Konzert-Projekt nutzte das Orchester bereits bekanntes, aber auch neues musikalisches Material. So gab es mit "Greggery Peccary" eine Uraufführung. In dem zunächst für ein Hörspiel komponierten Stück begeisterten David Moss und Omar Ebrahim als Meister des Sprechgesangs und Erzähler einer irrwitzigen Geschichte.
Dabei glänzte das virtuos aufspielende Ensemble Modern mit rasanten Tempowechseln und packenden polyrhythmischen Passagen. Die collagehaften Arrangements ließen dabei stets den funkelnden Witz und die Ironie Zappas erkennen.
Stücke wie "Dental Hygiene Dilemma" oder "The Dangerous Kitchen" wurden in der Interpretation des Vocalartisten Omar Ebrahim zu Höhepunkten zappaesken Wortwitzes. Das vom Publikum an beiden Abenden in der Kraftzentrale begeistert gefeierte Ensemble Modern lieferte als Zugabe dann noch eine wunderbare Fassung des Hot-Rats-Hits "Peaches in Regalia". Ein Konzert, das die Zappa-Fans sicherlich auch gern auf einer CD genießen würden.
(Thomas Becker)
11.09.2000, Duisburger Stadtpost/Rheinische Post
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Eine Kombination, die glänzend aufging
Das Ensemble Modern spielte in der gut besuchten Kraftzentrale Orchesterstücke von Frank Zappa
[...] Das Ensemble Modern spielte Orchesterstücke von Frank Zappa, und es spielte sie grandios. Die angesehenen Spezialisten für Neue Musik mit Vorliebe für Grenzgänge und der provokante, zynische Untergrund-Gitarrist - eine Kombination, die glänzend aufgeht. Sieben Jahre nach der Zusammenarbeit für die CD "The Yellow Shark" ist das Frankfurter Ensemble mit einem neuen Zappa-Programm auf Tournee. Der Abend spannte einen weiten Bogen von sperrig-schrägen Nervositäten bis zu musikalischen Banalitäten, schrillen Effekten und Zitaten verschiedenster Stile.
Gelegenheit sich auszuzeichnen gaben die komplexen Kompositionen reichlich. Doch auch rasante Taktwechsel und polyrhythmische Passagen bewältigten die Musiker des Ensemble Modern ohne hörbare Mühe. Herausragend waren die Auftritte der Sänger Omar Ebrahim und David Moss. [...]
Zappa als "ernster" Komponist, dessen Musik doch bei allem Ernst voller Humor und Ironie steckt - das ist keine neue Entdeckung. Lohnend ist sie dennoch in jedem Fall, führt doch die vielseitige Biografie des Gitarristen Dinge zusammen, die sonst weit entfernt sind. [...]
Im ausgedehnten comicartigen Hörspiel "Greggery Peccary" konnten sich die alten Zappa-Fans zum Schluss nicht nur über kurze Country-, Boogie-, Jazz- und Krach-Passagen, sondern auch über ein Wiederhören mit "Billie the Mountain" freuen.
Vollends beglückt wurden sie, als Dirigent Jonathan Stockhammer nach dem begeisterten Applaus als Zugabe das alte Zappa-Schlachtross "Peaches en Regalia" anzählte. Als Rausschmeißer gab es noch den "G-Spot Tornado" am Ende eines bemerkenswerten Konzerts mit großartigen Musikern.
(Guido Diesing)
09.06.2000, Frankfurter Rundschau
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Hörspiel ohne Zuckerguss
Frank Zappas "Greggery Peccary & Other Persuasions" wurde bei
der Musik-Triennale Köln uraufgeführt
Das Ensemble Modern hat [...] 1992 unter Zappas Leitung dessen Kompositionszyklus
The Yellow Shark und später eine (immer noch unveröffentlichte)
Gesamteinspielung des Oevres von Edgard Varèse erarbeitet.
Das Ensemble Modern war Zappas letzte Band. Es hat nun, in enger und
philologisch sorgfältiger Zusammenarbeit mit dem Arrangeur und
Komponisten Ali N. Askin und dem Synclavier-Spezialisten Todd Yvega,
eine neue Phase der Zappa-Rezeption eingeleitet. Die Uraufführung
von Greggery Peccary & Other Persuasions fand jetzt im Rahmen
der Kölner Musik-Triennale statt unter der musikalischen Leitung
von Peter Eötvös und mit einem bewährten optischen
Zentrum: dem großen Gong in der Bühnenmitte.
[...] Zappas Musik ist geprägt von zahlreichen literarischen
und musikalischen Einflüssen aus Rock, Subkultur, Cut-up-Literatur,
Folk und Neuer Musik (vor allem Varèse und Webern), aber in
ihrer singulären artifiziellen Gestalt zugleich von diesen Referenzen
unabhängig. Und damit maßgeschneidert für das Ensemble
Modern.
Das Ensemble hat - als wohl weltweit einziges Spezialensemble für
Neue Musik - gelernt zu grooven und keinen Deut an Präzision
dabei preis zu geben. Ein schrittweise gebautes Einsteige-Stück,
bei dem die Musiker nach und nach auf die Bühne kommen und sukzessiv
zu spielen anfangen ("What will Rumi do?", ein Titel, der sich an
die Ensemble-Modern-Schlagwerkerin Rumi Ogawa wendet), gelingt
ihnen genauso selbstverständlich wie die bizarren, kleinen Klangflächen
in "The Dangerous Kitchen" und die irrwitzig schwierigen Passagen
von "The Beltaway Bandits". Die Integration von elektrischer Gitarre
und elektronischem Schlagzeug geschieht - übrigens auch Dank
des Tontechnikers Norbert Ommer - ebenso organisch wie die Realisierung
flirrender Klangfarben in rasend schnellen, parallel gesetzten und
eigenwillig instrumentierten Bläser-Passagen.
Neu ist, auch gegenüber dem älteren Yellow Shark-Projekt,
die größere Differenzierung im Klangbild. Früher nämlich
war es vor allem der vertraute Parameter Rhythmus, der der irritierenden
Neuen Musik Zappas eine verbindliche Bodenhaftung gab. Nicht ganz
so vordergründig wie bei den "Mothers of Invention", aber doch
idiomatisch klar, wie ein großer Teppich, auf dem die Möbel
herum stehen. Bei Greggery Peccary ist das Rhythmische nur noch ein
Parameter neben anderen, ohne dominante Sonderrolle. So verwandelt
sich die Musik in ein bizarres Breitwand-Hörspiel ohne werbenden
Zuckerguss, angereichert bis an den Rand (und zwar genau bis an den
Rand) mit fiesen, kitschigen, grotesken Kleinpartikeln und Hochgeschwindigkeits-Stimmungswechseln.
Die Zappa-Fans erkennen das wieder und freuen sich riesig. Auch über
die Stimmkunst von Omar Ebrahim und David Moss und Hermann Kretzschmar.
Und Boulez-Schüler Eötvös freut sich, endlich mal eine
seriöse Rockband dirigieren zu können.
Das ist viel mehr als eine gelungene Aufführung. Es ist eine
abgrenzungslose Zusammenführung von Publikumssegmenten und Musikstilen,
wie man sie sonst nie erleben kann (außer vielleicht, wenn das
Ensemble Modern mit Fred Frith arbeitet). [...]
(Hans-Jürgen Linke)
08.06.2000, General Anzeiger
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Ein Bürgerschreck wird zum Klassiker
TRIENNALE II Ensemble Modern mit Zappa-Musik
[...]
Mit dem Ensemble Modern fand er [Frank Zappa] Musiker, die seine Beschäftigung mit der Neuen Musik kongenial in eine Orchestersprache übersetzten. Denn Zappa komponierte am Synclavier, einem elektronischen Orchester-Simulator. Er hatte bei seinem Tod noch weitere Kompositionen in petto, die auf ihre Aufführung warteten. Der Komponist Ali N. Askin, der Zappa bereits bei "The Yellow Shark" zur Seite stand, hat diese als Synclavier-Dateien gespeicherten Werke für ein ausgeweitetes Kammerorchester arrangiert.
Bei der Kölner Triennale die dem Klang des 20. Jahrhunderts nachspürt, wurden diese Stücke im Köln-Müllheimer E-Werk vom Ensemble Modern unter Peter Eötvös vorgestellt. Suggestive Rhythmen, dichte Strukturen, komplexe Schlagwerk-Akzente, Ausflüge in den Jazz bei den Bläsern und in die Schönberg-Schule bei den Streichern sowie ungewohnte Klangkombinationen bestimmen die Musik. Das Sublime steht neben dem Trivialen, Doppelbödigkeiten sind durchweg nicht ausgeschlossen.
Abschließender Höhepunkt war das weit dimensionierte, satirische Hördrama "The Adventures of Greggery Peccary" mit Omar Ebrahim bei vollem Körpereinsatz in der Titelpartie und David Moss als Kommentator. Die für Zappa typischen schlüpfrigen Anspielungen und sein Wortwitz wurden mit einer Art überdrehter Filmmusik unterlegt.
Musikalisch lohnt Zappa nach wie vor, ein Bürgerschreck ist zum Klassiker geworden. Was die Texte angeht, so ist zumindest ihre Sozialkritik ("Die Schweine regieren die Stadt, die Ponys leiten Fernsehsender) inzwischen reichlich angestaubt. Das begeisterte Publikum ließ die Aufführenden erst nach mehreren Zugaben gehen.
(Eckhard Weber)
08.06.2000, Kölnische Rundschau
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Satire auf das US-Lebensgefühl
MusikTriennale im E-Werk:
Das Ensemble Modern widmete sich Werken von Frank Zappa
[...]
Das elektronisch verstärkte Ensemble Modern unter der flexiblen Leitung von Peter Eötvös zauberte funkelnde Bläser-Vibrafon-Läufe und wirbelte in allen Schattierungen durch Zappas verschrobene Nummern, die schier überquellen vor originellen musikalischen Einfällen. Zu den Höhepunkten des Abends wurden jedoch die beiden Hörspiele ("Dental Hygiene Dilemma" und "The Adventures of Greggery Peccary"), da sie in dem quirlig-agilen Omar Ebrahim und dem rhetorisch geschliffenen David Moss die denkbar besten Sing-Schauspieler besaßen. So bekamen diese irrwitzigen Geschichten, in denen das Orchester-Schlag auf Schlag - eine kommentierende Funktion übernimmt, die plakative Kontur von amerikanischen Comic-Strips. Genau so hat der satirische Gesellschaftskritiker Zappa diese Stücke auch gemeint. Tosender Beifall, zahlreiche Zugaben.
(Matthias Corvin)
08.06.2000, Kölner Stadt-Anzeiger
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Zappa zu Ehren
Großer Abend mit dem Ensemble Modern
"Die Musik von Frank Zappa hat mir besonders vom Rhythmischen her wesentliche Impulse gegeben", bekennt Peter Eötvös, einer der herausragenden Dirigenten (und Komponisten) zeitgenössischer Musik. Werke des Grenzgängers zwischen Rock, Jazz und Avantgarde und Vorkämpfers einer Gegenkultur des Spotts, der Satire und beißenden Sozialkritik zum "American way of life" bot Eötvös nun mit dem Ensemble Modern im E-Werk. Da Zappa (1940-1993) kurz vor seinem frühen Tod noch intensiv mit dem Ensemble Modern zusammenarbeitete, dürfen dessen Interpretationen -- obwohl einige der Arrangements von Ali N. Askin zum ersten Mal überhaupt erklangen - als vom Meister autorisiert gelten.
[... Es] bestachen die verschachtelten Attacken und Akzente der Bläser sowie das wunderschöne Geigensolo von Jagdish Mistry in der "Revised Music for Low Budget Orchestra". Schräge Wucht entfaltete "Envelopes". Ein Gespinst sich windender Melodien fesselte das Ohr in dem von Zappa auf dem Synclavier komponierten "The Bellway Bandits". Traumhaft orientalisierende Schleier von Harfe, Gitarre und Tasteninstrumenten bezirzten in "A pig with Wings" (Schwein mit Flügeln). Packend zelebrierten die Schlagzeuger Rumi Ogawa, Rainer Römer und Pascal Pons "The Black Page No. 1" - wobei sich der Titel, wie im Programmheft angedeutet wird, auf die Dichte der Noten auf dem Papier beziehen soll.
Zappas greller Sprachwitz blitzte in "The Dangerous Kitchen" - mit dem Pianisten Hermann Kretzschmar als Sänger- auf und wurde von den Solisten Omar Ebrahim und David Moss in "Dental Hygiene Dilemma" aus "200 Motels" in einer vokalartistischen Supershow zu voller Blute geführt. Schade eigentlich, dass Ebrahim und Moss nur bei zwei Stücken mitwirkten. [...] Die bizarren Verflechtungen in "The Adventures of Greggery Peccary" verwandelten Eötvös und das Ensemble Modern in einen heftig mitreißenden Rausch klanglicher Ereignisse. Frenetischer Applaus, Zugaben-Hagel.
(Egbert Hiller)
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