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Mit Schönberg fing alles an...Im Jahr 1906 schreibt Schönberg seine Kammersymphonie op. 9 für 15 Spieler. Er sucht bewußt nach einer neuen Form zwischen Kammermusik und symphonischer Größe. Und so komponiert er für ein Symphonieorchester ohne den Bombast des großen (Orchester)Apparates. Er stellt sich eine Kammermusikgruppe vor, in der alle wichtigen Orchesterinstrumente vereint sind - ein Solistenensemble. Jener Schönbergschen Kammersymphonie folgten noch viele Werke bedeutender Komponisten in ähnlicher Besetzungsgröße. Nur gibt es keine entsprechend festen Musikergruppen. Aufführungen dieser Werke bleiben an bestehende Orchester oder ad hoc-Gruppen gebunden, meist ohne ausreichende Probenzeit. Erst in den siebziger Jahren ändert sich die Situation grundlegend. Echte Solistenensembles gründen sich in England mit der London Sinfonietta, in Paris mit dem Ensemble InterContemporain und schließlich in Deutschland mit dem Ensemble Modern. Es ist also kein Zufall, daß beim ersten Ensemble-Modern-Konzert im Kölner Deutschlandfunk Schönbergs erste Kammersymphonie erklingt. Sie markiert den Anfang und programmatischen Ausgangspunkt des Ensemble Modern. Seither ist die Pflege der Zweiten Wiener Schule (Schönberg, Webern, Berg) und weiterer wichtiger Komponisten der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts (z. B. Strawinsky, Varèse, Ives, Weill) eine feste Größe der Ensemble Modern-Programmpolitik. Exemplarisch hierfür steht das große Anton Webern-Projekt von 1983. Sehr schnell bilden sich dann bereits in den ersten Jahren weitere Schwerpunkte in den Konzertprogrammen. Doch dazu später.
Gründung und ArbeitsprinzipDie Initiative zur Gründung des Ensemble Modern geht von einigen Mitgliedern der Jungen Deutschen Philharmonie aus. Sie wollen sich ganz auf die Interpretation der Werke unseres Jahrhunderts konzentrieren. Natürlich gibt es auch andere Geburtshelfer, insbesondere in der Gesellschaft für Neue Musik, der deutschen Sektion der Internationalen Gesellschaft für Neue Musik. Zu nennen ist auch die GEMA-Stiftung (mit Michael Karbaum), die das erste (und bis heute dauerhafte) finanzielle Fundament legt. Und neben vielen Ratgebern (wie z. B. Reinhard Oehlschlägel) ist da vor allem Karsten Witt, der das Ensemble mit Mut und Fortune organisatorisch durch die ersten zehn Jahren steuert. In den Gründerjahren und noch einige Jahre danach ist das Ensemble in die organisatorischen Strukturen der Jungen Deutschen Philharmonie eingegliedert. Beiden gemeinsam und bis heute fundamental ist das Prinzip der selbstbestimmten Arbeit. Es soll im Gegensatz zu hierarchisch organisierten Orchestern garantieren, daß die Musiker selber über die entscheidenden künstlerischen Fragen bestimmen: über Auftrittsorte, Programme, Dirigenten und Medienfragen. Konsequenterweise gibt sich das Ensemble Modern deshalb 1987 eine Rechtsform (GbR), in der das Ensemble den Musikern selbst gehört. Damit haben sie alle Rechte, tragen aber auch das nicht geringe finanzielle Risiko mit. Das Ensemble Modern verzichtet bewußt auf einen Chefdirigenten. Dies würde der angestrebten größtmöglichen Offenheit für unterschiedliche Konzepte und Stile widersprechen und ebenso dem Grundsatz, erst über das Programm nachzudenken und dann über die bestmögliche Realisierung. Trotzdem bildet sich über die Jahre ein Kreis von Dirigenten heraus, die die Musiker ganz regelmäßig ans Pult bitten. Stellvertretend seien hier Peter Eötvös, Heinz Holliger, Ingo Metzmacher, Jonathan Nott, Lothar Zagrosek und Hans Zender genannt.
Freunde und FinanzenFrankfurt ist seit 1985 die Heimatstadt des Ensemble Modern. Im Haus der Deutschen Ensemble Akademie im Frankfurter Ostend verfügt es über ideale Arbeitsbedingungen. Und die Stadt Frankfurt leistet auch den Hauptbeitrag zur finanziellen Unterstützung der Arbeit. Zusammen mit dem Land Hessen, der Kulturstiftung der Länder aus Mitteln des Beauftragten der Bundesregierung für Angelegenheiten der Kultur und der Medien, der schon erwähnten GEMA-Stiftung, der GVL, sowie dem Ensemble Modern Fonds und dem im September 2000 gegründeten Förderverein "Freunde des Ensemble Modern e.V." sichert sie die finanzielle Basis, die dennoch zum heutigen Zeitpunkt nur etwa 25% der jährlichen Kosten decken kann. Gut drei Viertel des Etats müssen durch Konzerte und Medienproduktionen erspielt werden. (Zum Vergleich: Bei den meisten öffentlichen Orchestern beträgt der Subventionsanteil über 80%.) Keine einfache Aufgabe angesichts eines Repertoires, das immer noch als schwierig und für viele Hörer unzugänglich gilt. Trotz dieser Hürden gelingt es dem Ensemble, immer wieder auch innovative und aufwendige Projekte auf die Bühne zu bringen. Zur Zeit gibt das Ensemble Modern pro Jahr weltweit an die 100 Konzerte. Es hat 20 feste Mitglieder, die aus acht Ländern stammen und heute in Frankfurt leben - wenn sie nicht auf Tournee sind. Bei vielen Programmen kommen noch Gastmusiker hinzu, die regelmäßig mit dem Ensemble zusammenarbeiten. So können sehr flexibel unterschiedlichste Programmideen realisiert werden.
Stationen und SchwerpunkteDie erstmalige Aufführung des Gesamtwerkes von Anton Webern 1983 in Berlin, Frankfurt und Nordrhein-Westfalen ist der Wendepunkt zur bundesweiten und bald auch internationalen Beachtung und Bekanntheit des Ensemble Modern. Dieses Projekt wird übrigens zusammen mit der Jungen Deutschen Philharmonie möglich. Sie übernimmt die größer besetzten Webern-Partituren. Wenig später gibt es schon genügend Konzertangebote, um ein volles Jahresprogramm zu bestreiten. Erstmals können sich die Musiker auch bescheidene Konzerthonorare auszahlen. Es bilden sich feste Stützpunkte heraus: mit der Alten Oper Frankfurt, dem Konzerthaus Berlin, der Kölner Philharmonie und später auch dem Festival d'Automne à Paris sowie dem Wiener Konzerthaus. An diesen Orten entstehen die meisten der größeren Projekte, die das Ensemble Modern bekannt machen: die ersten Konzerte mit Live-Musik zu alten Stummfilmen, Ballett- und Musiktheaterproduktionen, Luigi Nonos "Prometeo" ("tragedia dell'ascolto") 1987/88 in Berlin, Frankfurt und Paris - eine Produktion, die 1993 bei den Salzburger Festspielen für Aufsehen sorgt oder im gleichen Jahr die Uraufführung von Hans Werner Henzes "Requiem" in der Kölner Philharmonie mit einer sich anschließenden Europatournee. Schließlich das "Yellow Shark"-Projekt mit Frank Zappa im Jahr 1992, mit dem das Ensemble vollkommen neue Publikumskreise erreichen konnte. Und last but not least die umfangreiche Arbeit am Ensemblewerk von Edgard Varèse bis zur filmischen Umsetzung seiner "Déserts" durch den Videokünstler Bill Viola 1994. Die genannten Orte sind seit Jahren auch verläßliche Stützen für die kontinuierliche Arbeit des Ensemble Modern. Abonnementreihen gibt es in Frankfurt, Berlin und Wien. In Frankfurt existiert neben der Reihe im Konzerthaus Alte Oper seit 1993 sogar eine zweite Reihe: zunächst an der Oper, dann im TAT und heute wieder an der Oper unter dem Cage-Titel "Happy New Ears", in der pro Abend jeweils ein Meisterwerk des 20. Jahrhunderts öffentlich geprobt, gesprächsweise beleuchtet und am Ende aufgeführt wird. Kennzeichnend für die Programmarbeit des Ensemble Modern ist die stilistische und genreübergreifende Vielseitigkeit. Ein Beispiel ist das Monodram "Kassandra" von Michael Jarrell nach der literarischen Vorlage von Christa Wolf. Dieses Stück - Regie Anne Bennent und Christoph Marthaler - mit der Darstellerin Anne Bennent gehört mittlerweile zum festen Repertoire des Ensemble Modern. Ein weiterer Zweig ist die Beschäftigung mit dem Jazz und Musikern/Komponisten aus diesem Bereich. Auch das 1996 in der Queen Elizabeth Hall in London uraufgeführte "Blood on the Floor" von Mark Anthony Turnage gehört hierher, mit dabei: John Scofield, Peter Erskine und Martin Robertson - und die bereits erwähnte Zusammenarbeit mit Frank Zappa mit "The Yellow Shark". Selbstverständlich ist die stete Auseinandersetzung mit Komponisten wie Luigi Nono (bis zu seinem Tod), Karlheinz Stockhausen, György Ligeti, Helmut Lachenmann und John Cage. Zum anderen aber auch die ständige Suche nach neuen Entdeckungen, in erster Linie natürlich bei den jungen Komponisten. Es geht nicht darum, möglichst viele Werke junger Komponisten aufzuführen, sondern den Weg einiger Komponisten länger zu begleiten und ihre Werke häufiger zu spielen. Bei dieser Suche entsteht beispielsweise die enge Zusammenarbeit mit Heiner Goebbels, die sich ebenfalls im Grenzbereich zwischen experimenteller, auch improvisierter Musik und sogenannter Neuer Musik bewegt. Im Herbst 1998 wird das Ensemble Modern Orchestra als weltweit erstes Orchester für Neue Musik gegründet. Den Kern des Orchesters bilden die Solisten des Ensemble Modern, sie werden verstärkt durch einen Kreis von Musikern aus ganz Europa, denen die aktuelle Musik ein Anliegen ist. Das Ensemble Modern Orchestra geht etwa zweimal pro Jahr auf Tournee. Als Dirigenten leiten u.a. Peter Eötvös, John Adams, George Benjamin, Ingo Metzmacher und Pierre Boulez das Ensmeble Modern Orchestra. 1999 produziert das Ensemble Modern unter der Leitung von H. K. Gruber eine neue CD-Fassung der Dreigroschenoper, die auf der von der Kurt-Weill-Foundation herausgegebenen neuen kritischen Weill-Gesamtausgabe beruht. Gesangssolisten sind Max Raabe, Nina Hagen und Sona McDonald. In dieses Jahr fällt auch die erneute Zusammenarbeit mit Bill Viola, die Aufführung der Urfassung von Antheils "Ballett Mécanique" sowie die zweite Ensemble Modern Orchestra Tournee mit John Adams. Im Jahre 2000 feiert das Ensemble Modern mit verschiedenen Veranstaltungen sein 20jähriges Jubiläum: Im Rahmen des Millenium-Programms "Frankfurt 2000" vergibt das Ensemble Modern gemeinsam mit der Stadt Frankfurt 10 Auftragskompositionen an junge Komponisten. Dieses Projekt bedeutet die Erfüllung eines langgehegten Wunsches, denn die Förderung junger Künstler ist von jeher ein wichtiges Anliegen des Ensemble Modern. In einem Auswahlverfahren, das sich insgesamt über einen Zeitraum von 6 Monaten erstreckte, wurden die Kandidaten von den Solisten des Ensemble Modern ermittelt. In der für das Ensemble typischen Arbeitsweise werden die Werke während ihrer Entstehungsprozesse in enger Absprache mit den jeweiligen Komponisten erarbeitet. Mit "Knochen" von Enno Poppe, das im Februar 2002 mit dem ersten Preis des Kompositionswettbewerbs der Stadt Stuttgart ausgezeichnet wird, und "Vielleicht zunächst wirklich nur" von Johannes Maria Staudt sind die ersten Werke bereits im April/Mai 2000 in Frankfurt, Wien und Berlin zu Gehör gekommen. Die weiteren Uraufführungen folgen im Laufe des Jahres 2001: Markus Hechtle, Brett Dean, Hilda Paredes, und Sebastian Stier; 2002 mit den Werken von Vadim Karassikov und Rebecca Saunders und 2003 von Sandeep Bhagwati und Charlotte Seither. In der Schirn-Kunsthalle ist vom 10.8.-10.9.2000 eine Klangausstellung "Welt erzeugt Klang - 20 Jahre Ensemble Modern" zu sehen und zu hören. Das Ensemble Modern präsentiert sich mit seiner Jubiläumsausstellung in der für es typischen Weise: Zentral die Klanginstallation "Twenty Cuts" des Frankfurter Hörspielautors Christoph Martin - eine Kollage aus 20 Kompositionen des 20. Jahrhunderts, in der einiges von der Bandbreite des Ensemble anklingt. Ähnlich wie das Ensemble Modern mit seinen genreübergreifenden Produktionen immer wieder die Dimensionen des klassischen Konzertsaales aufbricht, wird der Ausstellungsraum für verschiedene Veranstaltungen zu Bühne und Zuschauerraum erweitert. In der Ausstellung finden eine Reihe von Konzerten, Gesprächen und Videovorführungen statt. Die Ausstellung und insbesondere auch die Veranstaltungen werden vom Frankfurter Publikum begeistert aufgenommen. Der Höhepunkt der Feierlichkeiten ist das Jubiläumskonzert in der Alten Oper am 29.11.2000, bei dem das Ensemble Modern sein zweites Frank-Zappa-Programm "Greggery Peccary & Other Persuasions" unter der Leitung von Peter Eötvös spielt. Dieses Konzertprogramm bildet die Weiterführung des legendären Yellow-Shark-Konzertes (1992). Durch die intensive Zusammenarbeit mit Frank Zappa bis kurz vor seinem Tod wurde das Ensemble Modern sozusagen seine letzte Band. Der Komponist Ali Askin, der bereits die Arrangements des Yellow-Shark-Programmes in enger Zusammenarbeit mit Frank Zappa erstellte, zeichnet für die Partituren von Greggery Peccary & Other Persuasions verantwortlich. Er instrumentiert für das Ensemble z.T. unveröffentlichte Stimmen, Partiturteile und Synklavierkompositionen aus Zappas Nachlaß, die die Witwe des Komponisten, Gail Zappa, für das neue Programm freigab. 2003 erscheint die CD bei RCA/BMG. Im Jahr 2001 realisiert das Ensemble Modern gemeinsam mit dem Freiburger Barockorchester sowie dem Collegium Vocale Gent zwei Projekte, in denen Alte und Neue Musik miteinander konfrontiert werden. Das Konzertprogramm im Februar präsentiert Kompositionen von J.S. Bach, Anton Webern, Jan Dismas Zelenka, Mark Anthony Turnage und Györgi Ligeti; im April sind Kompositionen von Heinrich Schütz und Igor Stravinsky zu hören. Beide Konzertprogramme bieten Gelegenheit zur Auseinandersetzung mit dem Phänomen der Zeit.
Oper und MusiktheaterAm 14. März 1996 findet im TAT im Bockenheimer Depot in Frankfurt mit großem Erfolg bei Publikum und Kritikern die Uraufführung des Musiktheaterprojektes "Schwarz auf Weiß" von Heiner Goebbels statt. Seither ist das Werk 56 mal in Europa, 3 mal beim Adelaide Festival in Australien und drei mal in New York aufgeführt worden. Die Uraufführung von Eislermaterial am 23. Mai 1998 in der Münchner Muffathalle bezeichnet einen weiteren Höhepunkt der Zusammenarbeit des Ensemble Modern mit Heiner Goebbels. Bei Eislermaterial handelt es sich um ein inszeniertes Konzert, um ein klingendes Eisler-Portrait mit intensiver Lichtregie und starker athmosphärischer Wirkung. Anknüpfend an Tondokumente, die Hanns Eisler in seinen späten Lebensjahren als Interpreten eigener Werke hören lassen, interpretiert der Schauspieler Josef Bierbichler eine Reihe von Liedern Eislers. Mittlerweile ist Eislermaterial mit großem Erfolg bei Publikum und Presse ca. 20mal in Europa aufgeführt worden. In seinem steten Bemühen um die Nachwuchsförderung führt das Ensemble Modern in Zusammenarbeit mit der Oper Frankfurt 2001 einen Komponisten-Workshop durch, in dem fünf kurze Opern von fünf jungen Komponisten erarbeitet werden. Diese Opern werden Ende Juni 2001 im Bockenheimer Depot in Frankfurt uraufgeführt. Nach dem großen Erfolg der Opernaufführung "Die Blinden" von Beat Furrer und "Wolf Cup Village" von Guo Wenjing im Juni 2000 im Bockenheimer Depot bringt das Ensemble Modern die vollständige Version der Oper "Ye Yan / The Night Banquet" (1999) des chinesischen Komponisten im Spätsommer 2001 beim Festival d'Automne zur Uraufführung. Dieses Werk gelangt außerdem in 2002 in Perth/Australien (Mandurah International Opera Festival - eine Initiative des Perth International Arts Festval), beim Lincoln Center Festival in New York und am Berliner Hebbel-Theater zur Aufführung. Mit der Dreigroschen von Brecht/Weill in der (konzertanten) Fassung der neuen Gesamtausgabe, die u.a. bislang unbekannte Zwischenmusiken enthält, feiert das Ensemble Modern im Jahr 2000 von London über Wiesbaden bis Kiel beim Schleswig-Holstein Musik Festival überwältigende Erfolge. November 2002 führt das Stück die Musiker nach Köln, Frankfurt, Dortmund und Baden-Baden. Im Mai 2002 erlebt die neue Videooper Three Tales von Steve Reich [music] und Beryl Korot [video] bei den Wiener Festwochen ihre Uraufführung. Eine ausgedehnte Europatournee nach England, Holland, Italien, Frankreich, Deutschland und Portugal schließt sich über einen Zeitraum bis November 2002 an.
Tourneen, CDs und visuelle MedienBereits 1984 wird das Ensemble nach Lateinamerika eingeladen, das zweite Mal 1992. 1990 konzertieren die Musiker in Rußland. Und 1995 gibt es eine Tournee durch zahlreiche osteuropäische Länder und eine zweite Rußlandtournee. Zur regelmäßigen Konzerttätigkeit in Europa absolviert das Ensemble 1996 mit großem Erfolg die erste Tournee durch Nordamerika, u. a. mit den Stationen New York, Chicago und Washington und die erste Australienreise. Es folgen zwei Japan-Tourneen 1998 und 2000. Die Konzerte sind und werden sicherlich der wichtigste Arbeitsbereich des Ensembles bleiben. Nirgendwo sonst ist die Kommunikation mit dem Publikum und damit auch die Überprüfung der eigenen Arbeit so direkt, Zustimmung wie auch Kritik so unmittelbar erfahrbar. Trotzdem setzt das Ensemble Modern seit einigen Jahren verstärkt auf die Dokumentation seiner Arbeit durch CDs und Fernsehproduktionen. Wichtige Projekte des Ensembles sind so heute auch einem größeren Interessentenkreis zugänglich, so das Kurt Weill- und das Charles Ives-Portrait, Conlon Nancarrows faszinierende Studies, Nonos "Prometeo" ebenso wie Zappas "The Yellow Shark" und Heiner Goebbels "Schwarz auf Weiß", das auch als Video editiert wird. Ende 2000 sind bereits über 30 CDs des Ensemble Modern veröffentlicht, die alle nach 1990 entstehen. Weitere sind geplant bzw. in Vorbereitung. Dank der Zusammenarbeit mit Labels wie RCA/BMG, EMI, Sony, Winter & Winter und ECM ist auch die weltweite Verbreitung garantiert. Seit dem Frühjahr 2000 hat das Ensemble Modern ein eigenes Label - EMCD - auf dem bislang zwei CDs erschienen sind: Charles Ives "Fourth Symphony" und George Benjamin "Sudden Time". Verschiedene Projekte werden auch fürs Fernsehen produziert und gesendet. Als Beispiele seien hier genannt: das filmische Portrait vom Hessischen Rundfunk über das Ensemble "Frankfurt Modern", die Film/Video-Produktion des Musiktheaterstückes "Schwarz auf Weiß" unter der Regie von Manfred Waffender und Heiner Goebbels, welche von arte im Juni 1997 ausgestrahlt wurde, die Fernsehaufzeichnung von Jarrells Monodram "Kassandra" und der Mitschnitt von Turnages "Blood on the Floor".
ZuletztDas Jahr 2002 stand für das Ensemble Modern ganz unter dem Stern des Musiktheaters. Neben "Ye Yan", "Three Tales" und der "Dreigroschenoper" wurde im Oktober 2002 in Genf das neue Musiktheaterwerk "Landschaft mit entferneten Verwandten" von Heiner Goebbels uraufgeführt. Außerdem galt es die 50. Geburtstage von Wolfgang Rihm und eben Heiner Goebbels zu feiern. Dazu erschien u.a. bei der Deutschen Grammophon die CD "Jagden und Formen" unter der Leitung von Dominique My. Aber auch neue CDs bei ECM wurden veröffentlicht: "Eislermaterial" von Heiner Goebbels und eine Portrait-CD "Scbwankungen am Rand" zu Helmut Lachenmann. Daneben war das Ensemble Modern wieder beim Hamburger Musikfest, beim Schleswig-Holstein Musik Festival und erstmals auch beim Rheingau Musik Festival zu Gast. Es bleibt viel Neues zu entdecken, und das Ensemble Modern bleibt neugierig und offen nach allen Seiten!
Die Musikerinnen und Musiker des Ensemble Modern danken der Aventis Foundation für die Finanzierung eines Sitzes in ihrem Ensemble. |