Die dokumentarische Video-Oper ›Three Tales‹ (1998-2002) von Steve Reich (Musik) und Beryl Korot (Video) schildet das 20. Jahrhundert als eine Zeit der technologischen Dominanz, ihrer Versprechen und Katastrophen. Die Akte tragen die Titel Hindenburg, Bikini und Dolly und beschreiben drei Ereignisse des Technologiezeitalters: Den Absturz des Zeppelins Hindenburg in Lakehurst 1937 nach der ersten Atlantiküberquerung, die Atombombentests auf dem Bikini-Atoll zwischen 1946 und 1954 sowie das erste Klonen des Schafes Dolly im Jahr 1997 in Schottland. Damit wird das Wachstum und die Auswirkungen der technologischen Entwicklungen des vergangenen Jahrhunderts anhand der Anfänge der Flugtechnik bis hin zur ethischen Diskussion über die Zukunft des Menschen thematisiert.
Die Video-Künstlerin Beryl Korot erzählt die drei ›Geschichten‹ mittels Video-Montagen, Film- und Interview-Sequenzen. Während für die Gestaltung von Hindenburg und Bikini vornehmlich Archivmaterial (historisches Filmaterial, Fotografien, Aufnahmen von Nachrichtensprechern etc.) verwendet wurde, besteht Dolly aus gefilmten Interviews. In der Vielfalt der Bilder auf der elektronisch mehrfach geteilten Leinwand spiegelt sich auch der technische Fortschritt.
Es ist bezeichnend, dass auch Steve Reich in seiner Musik weitaus stärkeren Gebrauch von musiktechnologischen Entwicklungen macht als in seinen früheren Werken. Originalaufnahmen werden in die Komposition eingebunden, die durch Transponierungen und/oder ryhthmische Anpassungen verändert werden. Neben der Technik des Slow Motion Sound (›Zeitlupenklang‹) führt Reich in Dolly auch den von ihm so genannten ›Freeze Frame Sound‹ (›Standbildklang‹) ein. Nicht eine bloße Technologie-Kritik steht im Vordergrund, sondern das Aufzeigen der Ambivalenz der entsprechenden technologischen Entwicklungen.
›Three Tales‹ ist die zweite Gemeinschaftsproduktion von Reich und Korot nach ›The Cave‹. ›Three Tales‹ wurde am 12. Mai 2002 bei den Wiener Festwochen mit dem Ensemble Modern und den Synergy Vocals unter Leitung von Brad Lubman uraufgeführt. Es folgten Aufführungen in Amsterdam, Turin, London, Strasbourg, Paris, Lissabon und Berlin.
© Ensemble Modern