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29. Juni 2010, Gießener Allgemeine Zeitung
Oper Frankfurt zeigt »Offene Wunden« mit dem Ensemble Modern

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Doch zunächst ging es um Kurt Weills »Mahagonny«. Die sechs Liednummern des Singspiels wurden von Salome Kammer und Sylvia Nopper (Jessie und Bessie) sowie vom Atrium Ensemble aus Berlin mit Oliver Uden, Philipp Neumann, Martin Schubach und Frank Schwemmer gesanglich und darstellerisch eindrucksvoll umgesetzt. Ein sparsames Bühnenbild in Schwarz-Weiß mit zehn Theatersesseln und Schwarz-Weiß-Film im Hintergrund bot die wirkungsvolle Folie für die verruchte Stadt Mahagonny, in der jeder, der dort sein Glück machen will, zugrunde geht. Wichtiges Element der Produktion waren die zum Teil synchronen Bewegungsmuster der Ausführenden, mit denen die Textinhalte unterstrichen oder kontrapunktiert wurden.

Das Ensemble Modern spielte lebendig und zupackend und brachte die laszive und gleichzeitig resignative Stimmung des Weill-Singspiels ausgezeichnet zur Geltung. Daran schloss sich nahtlos »Die Wunde Heine« von Oehring mit ebenfalls sechs Liednummern an.

Bei der Inszenierung spielten Gesten und Gebärden eine zentrale Rolle, sodass eine zusätzliche Ebene der Textvermittlung entstand. Verschiedene Sprachgesten wie abgehacktes Rezitieren erzeugten weitere Textbrechungen, ebenso die sehr vielfältige Musik, die dem Text stützend oder auch konträr begegnete. Bei der sich so ergebenden Komplexität der Partitur waren die durch die Regie zusätzlich eingefügten sechs Rio-Reiser-Songs (gekonnt dargeboten von Jörg Wilkendorf) etwas zu viel des Guten, zumal die Songs eher wie Fremdkörper in der recht elaborierten Komposition wirkten. Insgesamt ein musikalisch hoch professioneller Sing- oder auch Songspiel-Abend, bei dem vor allem die Inszenierung von Weills »Mahagonny« begeisterte.

Anita Kolbus

de/presse/pressespiegel/r/799