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2. June 2010, Frankfurter Rundschau
Tippeln im Stechschritt

Eigentlich gebührt György Ligeti die Krone des musikalischen Minimalismus, wie es im Konzert des Ensemble Modern das Wiederhören seines "Kammerkonzerts für dreizehn Instrumentalisten" von 1969 nahelegte. Während die US-Konkurrenz ihr Konzept der Sukzessionsverwischungen nur im Zeitverlauf, also rhythmisch realisierte, hat der Ungar auch die Tonhöhen und deren Beziehungen bedacht. So ist die diachrone Pausbäckigkeit bei ihm durch Klangwolken und polyphone Schlierenbildungen aufgelöst - ein wunderbarer Einstieg in den großen Abend in der Alten Oper Frankfurt, wo Frank Ollu für den verhinderten Dirigenten George Benjamin eingesprungen war.

Mit Steve Potters "Paradigms" (2009) gab es einen neuen Versuch, aus dem Avantgarde-Fundus einen Retro-Mix mit Happening-Attitüde, prepared piano, Stimmgeräuschakrobatik (sehr schön: Hilary Summers) und Tonsatz-Stocherei zu basteln. Mit dem brillanten Dietmar Wiesner als Flötisten erklang ein Boulez-Rankenwerk: "Mémoriale" [...]

Interessant Arnold Schönbergs "Fünf Orchesterstücke op.16" in Kammerorchester-Fassung - fast moderner wirkend in diesem Skelettzustand. [...]

Bernhard Uske

de/presse/pressespiegel/r/795