Aktuelle Pressemitteilungen

Ensemble Modern und Beat Furrer

Das Ensemble Modern startet am 17. September 2010 mit dem 1. Abonnementkonzert in die Saison 2010/11 der Alten Oper Frankfurt (19 Uhr, Mozart Saal). Anlässlich des Komponistenportraits im Rahmen des alljährlich stattfindenden Auftakt-Festivals in der Alten Oper Frankfurt wird Beat Furrers ›Begehren‹ unter seiner Leitung in konzertanter Fassung gemeinsam mit der Schola Heidelberg zur Aufführung kommen. Als Solisten konnten Petra Hoffmann und Johann Leutgeb gewonnen werden. Weiter erklingen Igor Strawinskys ›Elegie‹ für Viola solo (Megumi Kasakawa, Viola) sowie ›In memoriam Dylan Thomas‹ (Jonathan Boyd, Tenor) und Pierre Boulez’ ›Cummings ist der Dichter‹ für 16 Solostimmen. Das Programm wurde am 7. September bereits erfolgreich beim musikfest berlin aufgeführt: „...vielschichtig in der Zusammenstellung, die Ohren und Sinne fordernd, zugleich auf so hohem Niveau musizert.“ (Der Tagesspiegel, 08.09.2010).

Ausgangsidee für Beat Furrers Musiktheater ›Begehren‹ ist die Orpheus-Sage vom verbotenen Blick (»Und ich wandte mich um«), der Unmöglichkeit der Begegnung. Orpheus und Eurydike (im Libretto »Er« und »Sie«) können nicht zueinander finden, sie bewegen sich gegenläufig. Das wird auch musikalisch evident: Die Frau macht eine Entwicklung vom Singen zum Sprechen durch, während der Mann sprechend beginnt und am Schluss zu singen anfängt, nur in der Mitte begegnen sie sich. Furrer spürt in seiner Komposition dem Orpheus-Mythos nach und projiziert ihn aus der Antike in die Gegenwart. Mit den Texten von Ovid, Vergil, Cesare Pavese und Günter Eich wird keine stringente Handlung erzählt, vielmehr will Furrer die inneren Gefühlswelten ausloten und die Zustände des Begehres, des Verlangens darstellen.

Einen »Blick zurück« wirft auch Strawinsky in seinen beiden Kompositionen ›Elegie‹ und ›In memoriam Dylan Thomas‹ – in beiden Fällen handelt es sich um musikalische Nachrufe. Die streng kontrapunktische zweistimmige Invention ›Elegie‹ schrieb Strawinsky im Andenken an Alphonse Onnou, dem Gründer des Pro Arte Quartetts. ›In memoriam Dylan Thomas‹ entstand unmittelbar nach dem Tode von Dylan Thomas. Strawinsky hatte den Dichter kurz zuvor persönlich kennengelernt und den Plan zu einer Oper auf ein Libretto Thomas’ gefasst. Das der Komposition zugrunde liegende Gedicht schrieb Thomas selbst zum Gedächtnis seines Vaters.

Und auch Boulez wendet sich in gewisser Weise rückwärts in seinem Chorwerk ›Cummings ist der Dichter‹. Er greift auf ein Gedicht von E.E. Cummings zurück, auf das er durch John Cage bereits 20 Jahre vor Beginn der Komposition gestoßen war. Die wenigen Worte und Satzstücke verwandelt Boulez in ein Klang-Raum-Spiel; zunächst steht eine schwebende Vokalität im Vordergrund, später gewinnt die geräuschhafte Klanglichkeit an Bedeutung.