Schwarz auf Weiß

Der Frankfurter Komponist Heiner Goebbels schrieb dem Ensemble Modern sein Musiktheaterstück ›Schwarz auf Weiß‹ gewissermaßen auf den Leib. Das Kollektiv des Ensembles selbst ist der Protagonist. Die 18 Musiker agieren als Darsteller und Musiker zugleich und erobern so den Bühnenraum. Tennisbälle fliegen auf eine große Trommel, zarte Kotoklänge sind zu hören, ein Wasserkessel pfeift zu einer komplexen Flötenmelodie. Die Musiker spielen nicht nur ihr eigenes Instrument, sondern formieren sich zum Beispiel auch einmal zu einem Bläserensemble, das Assoziationen an eine italienische Banda weckt. Die Szenen und Ereignisse des Stückes gehen ununterbrochen ineinander über, und die Lichträume, die Jean Kalman kongenial dazu erschafft, ergeben eine eigene Dramaturgie. Dazu tritt die mehrmals wiederkehrende Stimme Heiner Müllers vom Band, der die Parabel ›Schatten‹ von Edgar Allan Poe liest. Denn ›Schwarz auf Weiß‹ ist auch eine Reflexion über das Schreiben und den abwesenden Autor als Bild für ein kollektives Gedächtnis. Für Goebbels stellt sein Stück außerdem »eine Art Abschied von Heiner Müller« dar – allerdings voller Humor, Leichtigkeit und Charme. ›Schwarz auf Weiß‹ wurde 1996 am TAT in Frankfurt am Main uraufgeführt.

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